Das Thementreffen startete mit einem Input von Marlen Rutz (Projektleiterin Soziales, Migros-Kulturprozent, siehe Foto) und Rahel Fenini (Gleichstellungsbeauftragte des Kantons St.Gallen).  Danach wurden Facetten des Themas in Kleingruppen diskutiert. Hier finden Sie die Dokumentation der Veranstaltung:

Gender Input Thementreffen 2021

Dokumentation des Treffens

In einer explorativen Forschung versuchen wir herauszufinden was Erzählcafés, online sowie auch offline, aus Sicht der Teilnehmenden bewirken. Warum nehmen Personen an Erzählcafés teil? Was ist beim Erzählen und Zuhören besonders wichtig? Was bleibt in Erinnerung und fliesst in den Alltag ein?

Im Rahmen dieser Forschung werden Teilnehmende mit einem Schreibaufruf (Laufzeit bis Ende Februar 2021) aufgefordert schriftlich von ihren Erzählcafé-Erfahrungen zu berichten. Parallel dazu werden Teilnehmende in online Erzählcafés mittels der Methode “Thinking-Aloud” befragt. Die Forschungsergebnisse werden in Berichten und Blog-Beiträgen auf unserer Webseite im Juni 2021 vorgestellt.

Projektsteuerung: Jessica Schnelle (Migros-Kulturprozent), Johanna Kohn (FHNW), Gert Dressel (Doku Lebensgeschichte/Uni Wien und Verein Sorgenetz)

Weitere Mitwirkende: Edith Auer und Günter Müller (Doku Lebensgeschichte/Uni Wien), Rhea Braunwalder (Netzwerk Erzählcafé), Simone Girard (FHNW), Christina Knobel (FHNW), Daniela Rothe (Universität Duisburg Essen)

Projektlaufzeit: Oktober 2020 bis Juni 2021

Die Vielfalt an Veranstaltungsformaten, welche die Elemente «Biografie – Gruppe – Erzählen» enthalten, ist gross: Es gibt Gesprächskreise, Erzählcafés, Erzähl-Mahle, das Männerpalaver, Femmestische, Erzählbistros und vieles mehr.

 

In diesem «Dschungel» machen wir uns auf die Suche nach dem, was ein Erzählcafé ausmacht und was ein Erzählcafé von anderen Formaten differenziert. Diese Recherche ist Teil eines Publikationsprojekts in der Schweiz, Österreich und Deutschland. Mit Praktikerinnen, Praktikern und Partnern, wie zum Beispiel dem Verein Sorgenetz möchten wir Erfolgsfaktoren und Stolpersteine von Erzähl-Formaten identifizieren.

Um uns zu unterstützen haben wir Moderatorinnen und Moderatoren, Veranstaltende und Trägerschaften nach Ihrer Meinung und Ihren Erfahrungen gefragt. Darüber hinaus war es eine Gelegenheit, andere Erzählformate kennenzulernen und sich zu vernetzen. An dieser Stelle bedanken wir uns bei allen, die den Fragebogen ausgefüllt haben. Die Ergebnisse fliessen in das Publikationsprojekt des Netzwerks Erzählcafé ein.

Wir stellen uns vor

Edith Auer, Dokumentation lebensgeschichtlicher Aufzeichnungen (Uni Wien): «Das Schöne am Erzählen in einer Gruppe ist, dass man ‘nur’ zuhören muss, dass es nicht um Meinungsbildung oder Wahrheitsfindung geht. Und alles, was erzählt wird, ist wichtig.»

Rhea Braunwalder, Netzwerk Erzählcafé: «Beim Erzählcafé gefallen mir die Momente, wo komplett Alltägliches zu Außergewöhnlichem wird.»

Gert Dressel, Dokumentation lebensgeschichtlicher Aufzeichnungen (Uni Wien) & Verein Sorgenetz, er ist auch assoziiertes Mitglied beim Netzwerk Erzählcafé und findet: «Für ein gutes gesellschaftliches Zusammenleben zählt weniger, was gezählt, sondern es zählt, was erzählt werden kann.»

 

 

Am 30. Oktober 2019 trafen sich 30 Personen zum ersten gemeinsamen Anlasses des Netzwerks Erzählcafé Schweiz und Generationen im Museum (GiM). Im Landvogteischloss des Historischen Museums Baden gingen die Teilnehmenden auf Spurensuche und kamen über die Objekte ins Erzählen.

Was passiert, wenn man zwei unterschiedliche Erzählformate zu einer neuen Form verbindet? «Eine geballte Ladung an Kreativität und Inspiration», sagt Rhea Braunwalder vom Netzwerk Erzählcafé. Die Projektmitarbeiterin des Netzwerks lud gemeinsam mit Franziska Dürr von Generationen im Museum am 30. Oktober 2019 die Communities der beiden vom Migros-Kulturprozent konzipierten und realisierten Projekte Generationen im Museum (GiM) und Netzwerk Erzählcafé zum Museumsbesuch der besonderen Art ein.

Die Idee: Zwei sich noch unbekannte Menschen flanieren durch die Ausstellung im Historischen Museum Baden, suchen sich ein Museumsobjekt aus und erfinden dazu gemeinsam eine Geschichte. «Die rund 15 Tandems erfanden extrem fantasievolle Geschichten», erzählt Rhea Braunwalder. Ein Beispiel: Vor einer Sänfte stehend habe sich die Gruppe eine Anekdote über die Ursprünge des Joggens angehört. Die Museumsdirektorin Heidi Pechlaner habe die fesselnde Geschichte dann mit historischen Fakten ergänzt.

Reflexive und persönliche Erzählform
Dinge und Geschichten können Aufhänger und Inspirationsquelle für biografische Erzählungen sein. Wer schon einmal an einem Erzählcafé teilgenommen hat, kennt die besondere Dynamik, die das Geschichtenerzählen auslöst. Rhea Braunwalder erzählt ein weiteres Beispiel: «Als wir in einer Ausstellung zur Haute Couture vor einer Schublade in einer Vitrine standen, nahm die Gruppe den Faden auf und erzählte über persönliche Ordnung und Unordnung, über private Schubladen, mentale Schubladen und auch Erinnerungen zu Schubladen der Kindheit.»

Neue Perspektiven
Rhea Braunwalder fasst den neuartigen Anlass zusammen: «Wir wollten ausprobieren, wie sich mehrere Erzählformate kombinieren lassen. So können wir neue Bevölkerungsgruppen ansprechen und den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft stärken. Auch die Teilnehmenden empfanden den Anlass als wertvoll. Eine Teilnehmerin meinte, es brauche Selbstsicherheit und Vertrauen, um freimütig aus dem eigenen Leben, oder auch erfundene Geschichten zu erzählen. Doch es lohne sich, denn der kreative Austausch und das Erfahren von neuen Lebenswelten und Perspektiven mache einfach Spass.

Möchten Sie selber einen Anlass organisieren?
Wenn Sie einen GiM-Anlass, ein Erzählcafé oder eine Kombination der beiden Formate in Ihrer Region umsetzen möchten, unterstützen wir Sie gerne. Melden Sie sich bei rhea.braunwalder@netzwerk-erzaehlcafe.ch oder duerr@generationen-im-museum.ch.

Das historische Museum Baden: Ein Ort zum Erzählen
Das Historische Museum Baden legt den Fokus in seinen Ausstellungen und Veranstaltungen auf den Austausch unter den Menschen in der Bäder-, Industrie- und Tagsatzungsgeschichte. Im altehrwürdigen Landvogteischloss finden sich sorgfältig möblierte Schlossräume, die dazu einladen, in Lebenswelten vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert einzutauchen. In zwei Sonderausstellungen pro Jahr stehen gesellschaftlich relevante Themen mit starkem Gegenwartsbezug im Vordergrund: lokal verankert – von globaler Bedeutung.

Die erfahrene Moderatorin Manuela Kohli-Wild aus Wollishofen gibt Tipps für ein gelungenes Erzählcafé im Quartier: von der Raumsuche über die Verpflegung bis zum Ablauf.

 

Welches Format eignet sich fürs Quartier?

Manuela Kohli-Wild: Wir haben ein Format entwickelt, das wir «Erzählcafé zu Gast» nennen. Es findet immer an einem anderen Ort statt: Im Gemeindezentrum, im Claro-Laden, im Altersheim oder in einem Café – einmal pro Jahr sind wir sogar im Chorraum der alten Kirche zu Gast.

Wo finde ich einen guten Raum und mit welchen Kosten muss ich rechnen?

Suchen Sie sich Gastgeber, die den Raum kostenlos zur Verfügung stellen. Gemeinde- oder Alterszentren, Cafés, Läden, Kirchen oder Jugendorganisationen sind meistens offen dafür. Schauen Sie den Raum vorgängig an: Hat er ein angenehmes Ambiente, gibt es genügend Stühle, einen grossen Tisch, Mineralwasser, ein WC in der Nähe?

Wie motiviere ich einen Gastgeber, seinen Raum zur Verfügung zu stellen?

Meist ist es eine Win-Win-Win-Situation: Das Tertianum beispielsweise kann den Betrieb Interessierten zeigen, die Bewohnerinnen und Bewohner können am Erzählcafé mitmachen und wir bekommen einen kostenlosen Raum. Unsere Gastgeber spendieren in der Regel auch Kaffee und Kuchen.

Wie lade ich zum Erzählcafé ein?

Setzen Sie auf Mund-zu-Mund-Propaganda. Bauen Sie eine Verteilerliste auf und verschicken Sie einen Flyer – mit der Aufforderung, Angehörige und Bekannte mitzubringen. Man kann das Erzählcafé in der Agenda des Netzwerks ausschreiben und es im Quartier an schwarzen Brettern oder über soziale Netzwerke (z.B. Facebook-Event) kommunizieren.

Was ist bezüglich Werbung wichtig?

Auf unseren Flyer drucken wir immer das Logo des Netzwerks Erzählcafé, denn dieses Qualitätslabel garantiert die Einhaltung der Charta.

Wie kann man Hemmschwellen abbauen?

Die Leute werden gerne angesprochen und persönlich involviert. Wichtig ist auch immer, dass man betont, dass die Teilnahme am Erzählcafé nichts kostet und man sich weder an- noch abmelden muss.

Wie finde ich ein Thema?

Lassen Sie sich von den Themen in der Agenda des Netzwerks Erzählcafé inspirieren! Spannend sind auch immer Themen, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verknüpfen.

Braucht es Getränke und Essen?

Ja, für den ersten, moderierten Teil des Erzählcafés braucht es Mineralwasser. Im zweiten Teil können Sie zum Beispiel Kaffee und Kuchen anbieten. Es ist ganz wichtig, die beiden Teile zu trennen, damit das Erzählcafé nicht zu einem «Plaudertreff» verkommt. Wenn man schon am Anfang Kuchen isst, werden oft die Verhaltensregeln nicht eingehalten und alle sprechen durcheinander.

Wie kann ich ein Erzählcafé finanzieren?

Fragen Sie im Quartier herum, wer Gastgeber sein möchte. Das Lokal hat dann auch die Möglichkeit, sich zu präsentieren. Machen Sie aber genau ab, wie lange und in welcher Form der «Werbeblock» sein darf.

Wieviele Teilnehmer sind ideal?

Eine ideale Grösse sind 15 Personen, damit es lebendig zu und her geht. Bei mehr Personen empfehle ich zwei Moderator*innen. Eine kleine Gruppe kann auch sehr spannend sein.

Ihr wichtigster Tipp für die Moderation?

Moderieren Sie aktiv: Erklären Sie die Moderationsregeln und achten Sie darauf, dass keine langen Monologe entstehen oder das Gespräch abschweift. Ich empfehle auch, pünktlich anzufangen und aufzuhören. Je genauer der Rahmen eingehalten wird, desto besser kann man sich entfalten.

Förderprogramm

Im Jahr 2019 fördern wir Erzählcafés, deren Zielgruppen bisher wenig berücksichtigt und angesprochen wurden und/oder deren Rahmen innovativ ist. Wir unterstützen die Erzählcafés in Form eines Porträts auf unserer Website und einem einmaligen Förderbeitrag in der Höhe von 500 Franken. Bewerben Sie sich!

Auch dieses Jahr stand das Werkstattgespräch unter einem speziellen Thema, und zwar «Erzählen – Zuhören – Resonanz erfahren». Im folgenden Artikel geben wir einen Überblick, was für Hartmut Rosa Resonanz bedeutet und wie es zu unseren Tätigkeiten mit Erzählcafés in Bezug steht.

 

Was bedeutet es, Resonanz zu erfahren? 
In seiner Soziologie der Weltbeziehung – wie wir als Person mit der Welt in Verbindung treten – stellt der Soziologe Hartmut Rosa fest, dass unsere Gesellschaft immer mehr auf Weltaneignung aus ist. In unserem Streben nach Optimierung, Steigerung und Ressourcengewinn als Kriterien des «guten Lebens» stelle sich das Gegenteil ein: die Entfremdung. Dem gegenüber stellt Rosa die Resonanzerfahrung als Beziehungsmodus zu anderen Menschen, Tieren, zu unserer materiellen Umwelt oder auch zum Leben und der Natur an sich.

Resonanz im Erzählcafé: Bedeutet Resonanz Harmonie? Und kann Stille auch eine Form von Resonanz sein?

In einem Erzählcafé stehen verschiedene Lebenserfahrungen nebeneinander. Die Art und Weise, wie eine Erfahrung erzählt wird, der Inhalt und andere Faktoren beeinflussen unsere Reaktion auf die Erzählungen unserer Mitmenschen. Resonanz im Erzählcafé heisst nicht, alle Geschichten und Menschen sympathisch finden zu müssen. Eher beinhaltet Resonanz eine Grundhaltung, bei der es kein Wahr oder Falsch gibt und bei der man nicht wertet. So kann Widerstand auch eine Art von Resonanz sein.

Resonanz heisst, seine Stimme hörbar zu machen, sich aufs Spiel zu setzen und sich verwundbar zu machen, in einem Prozess, von dem man nicht weiss, was das Ergebnis ist. Wenn wir uns jedoch unter Druck gesetzt fühlen, etwas sagen zu müssen, werden wir kaum Momente der Resonanz erleben. Momente der Stille, in denen die Arbeit mit der eigenen Biografie stattfindet, oder in denen das Gesagte nachwirkt, sind Resonanzerfahrungen mit sich selbst und somit nicht als Abgrenzung abzuwerten. Für Hartmut Rosa sind institutionelle und soziale Räume, die einen Rahmen für Resonanzbeziehungen ermöglichen, wesentlich. Die Methode des Erzählcafés stellt so einen Raum durch die Moderation her.

Zum Abschluss

Einen gefüllten Tag mit vielen Eindrücken und Inputs haben wir als Team Netzwerk Erzählcafé nicht mit einer Zusammenfassung schliessen wollen. Dafür jetzt im Nachgang ein persönlicher Aha-Moment: Für mich als Moderatorin wurde klar, dass es nicht darum geht, beim Moderieren Resonanz zu verspüren – persönlich fällt es mir sogar schwer, da ich gleichzeitig den roten Faden stricke, die Gruppendynamik beobachte und die Uhr im Blick halte. Es geht darum, dass ich Voraussetzungen schaffe, in denen Resonanzerfahrungen entstehen können.

Durch eine vertrauliche Atmosphäre und eine nicht-wertende Grundhaltung können wir als ModeratorInnen und VeranstalterInnen Bedingungen für Resonanz schaffen, aber sie schlussendlich nicht erzwingen. Wir schaffen Räume, die Resonanz ermöglichen und vereinfachen. Und zuletzt sollten wir uns auch hüten, Resonanz als Messkriterium für ein erfolgreiches Erzählcafé zu sehen und die Unverfügbarkeit der Resonanz zu geniessen und zu akzeptieren.

Autorin: Rhea Braunwalder

Literatur:

Hartmut Rosa (2018)  Unverfügbarkeit. Verlag: Residenz-Verlag.

Hartmut Rosa (2016): Resonanz – Eine Soziologie der Weltbeziehung. Verlag: Suhrkamp.

Rückblick

Ca. 95 Teilnehmende schalteten sich aus Deutschland, Österreich und der Schweiz  zum Werkstattgespräch am 15.03.2021 dazu. Die teilnehmenden hatten die Möglichkeit sich in einem digitalen Foyer locker auszutauschen, bevor die Hauptveranstaltung losging. Gemeinsam wurde überlegt was ein Erzählcafé auf psychologischer, bildungswissenschaftlicher und geschichtlicher Ebene bewirkt. Frau Prof. em. Dr. Brigitte Boothe lieferte einen inhaltlichen Input basierend auf ihren eigenen Erfahrungen in einem Erzählcafé zum Thema “Nachbarschaft”. Die Teilnehmenden hatten die Möglichkeit aus 12 Schnuppererzählcafés zu wählen. Die drei Zugänge zum Thema waren anregend und eine Folgeveranstaltung ist in Planung.

Podcast-Reihe: Das Erzählcafé auf dem Prüfstand

Die Inputs unserer Referierenden haben wir aufgenommen. Viel Spass beim Nachhören!

Impuls von Brigitte Boothe: “Ein Erzählcafé mit dem Thema Nachbarn – Nachbarschaft”

Historischer Zugang zu Erzählcafés (Gert Dressel)

Bildungswissenschaftliche Sicht auf Erzählcafés (Bettina Dausien)

Psychologische Sicht auf Erzählcafés (Brigitte Boothe)

Schlussgespräch

Tagungsdokumente

Flyer und Programm

Präsentation von Prof. em. Dr. Brigitte Boothe

Moderations-Slides

Zusammensetzung der Teilnehmenden

 

 

 

Rückblick

Am 28. März 2019 fand in Zürich das 5. Werkstattgespräch «Erzählen-Zuhören-Resonanz erfahren» mit ungefähr 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus der Schweiz, Österreich und Deutschland statt. Nebst der Möglichkeit, ein Erzählcafé zu erleben, stand das Thema «Resonanz» im Vordergrund – erläutert vom Soziologen und Buchautor Hartmut Rosa. Ein Büchertisch der Pro Senectute Bibliothek und viel Zeit für den Austausch zu Erzählcafé-bezogenen Fragen rundeten das Angebot ab.

In der Dokumentation finden Sie Eindrücke von TeilnehmerInnen, eine Beschreibung der durchgeführten Erzählcafés vor Ort, einen thematischen Input zum Thema «Resonanz» und alle Tagungsdokumente. Viel Spass beim Stöbern!

Tagungsdokumente

Flyer

Präsentation

Zusammenfassung des Referats von Hartmut Rosa

Festgehalten: Einblick in 10 Erzählcafés

Fotoprotokoll (Flipcharts)

Medienliste Pro Senectute Bibliothek

O-Ton

Interview mit Sina Florin

Interview mit Rita Gerstenauer

Interview mit Karl Weingart

Impressionen

 

 

Am Werkstattgespräch No 5 fanden zehn Erzählcafés zu ganz unterschiedlichen Themen statt. Hier ein kleiner Einblick in die Erzählrunden aus Sicht der Moderatorinnen und Moderatoren.

Erzählcafé von Rhea Braunwalder: «Schatz, kannst du den Abfall entsorgen?»

Der Gang zur Sammelstelle, das Schnüren von Papier und Karton: Anhand des Themas Abfall und Entsorgung kamen wir ins Gespräch über Beziehungen zu den Menschen in unserem Haushalt und zu unserer natürlichen Umwelt.

Fragen, die wir angesprochen haben, waren: Wer hat sich in deiner Kindheit um die Abfallentsorgung gekümmert? Was hat sich im Laufe deines Lebens in Bezug auf den Abfall verändert?

Als ein Teilnehmer erzählte, wie er als Kind früher in die Abfalltonne gestiegen ist, um den Abfall platt zu drücken, erinnerte mich das an ähnliche Situationen in meiner Kindheit, an die ich mich schon lange nicht mehr erinnert habe!

 

 


Erzählcafé von Elsbeth Grunder: «Frisuren»

Zum Thema Frisuren haben alle etwas zu erzählen. Am Erzählcafé tauschten wir uns über haarige Geschichten aus: von den Zöpfen der Kindheit über den Bubikopf bis zum Coiffeur-Besuch.

Wir sprachen darüber, wie sich die Haarmode und unsere eigene Frisur im Laufe der Zeit verändert hat. Wir haben über Dauerwellen gelacht und darüber, dass Schönheit manchmal leiden muss. Ins Gespräch kamen auch die Farah-Diba Frisur und die ersten grauen Haare.

 

 


Erzählcafé von Lisbeth Herger: «Berufe sind zum Wechseln da»

In diesem Erzählcafé ging es um Geschichten über die Berufswahl, über Wechsel, über Unsicherheiten und Identitäten im Laufe des Berufslebens. Wir haben darüber nachgedacht, was die Berufswahl einst geprägt hat, welche Bilder und Fantasien ich hatte und welche Faktoren mitgewirkt haben, dass ich meiner Wahl untreu wurde. War es die eigene Lust? Oder die Not der Stunde in einer sich rasend verändernden Arbeitswelt? Und wie bin ich geworden, was ich heute bin?

Dieses Erzählcafé wurde schnell zu einem erzählerischen Schutzraum mit wachen Ohren und Herzen.

 

 

 

 


Erzählcafé von Johanna Kohn: «Geschenk ist nicht gleich Geschenk»

Geschenke machen uns froh. Manchmal ist es sogar schöner, etwas zu schenken, als ein Geschenk zu bekommen. Wir haben uns darüber unterhalten, ob uns Geschenke auch beschämen können, wie sich Geschenke im Laufe der Zeit verändert haben und ob wir heute anders schenken als früher. Die Frage kam auch auf, was man anderen Menschen empfehlen würde, wenn diese etwas schenken möchten.

Was ich dabei gelernt habe? Dass viele Frauen in der Schweiz jedes Jahr zu Weihnachten einen Teil des Silberbestecks für die Aussteuer geschenkt bekamen. Die einen fühlten sich und ihre wahren Wünsche nicht wahrgenommen und fanden es schrecklich. Die anderen wertschätzen dieses Geschenk bis heute und sind bis heute noch stolz auf ihr Silberbesteck. Beide Sichtweisen sind so wahr!

 

 


Erzählcafé von Renata Schneider-Liengme: «Haus- und andere Tiere»

Als Haustiere bereichern Tiere unser Leben schon seit Jahrhunderten – und jemand sagte einmal: «Als ich eine Hand suchte, fand ich eine Pfote.»

Gleichzeitig haben wir vor gewissen Tieren Respekt – oder wir bevorzugen Tiere in Bildern: Zum Beispiel auf Wappen. Wir haben darüber geredet, welche Bedeutung Tiere für uns haben und welche Anekdoten wir mit ihnen erlebt haben.

Nebst Geschichten von Hunden, Katzen und Therapie-Tieren sind weitere eindrückliche Geschichten aufgekommen: Von der Beobachtung eines Elefanten über den Wunsch des Kindes nach einem Haustier bis zum Geschäft mit der Tiernahrung und Tierartikeln. Wir haben auch über den Tod eines Haustiers sprechen können.

 

 


Erzählcafé von Kerstin Roediger: «Von Salz bis Pfeffer»

Wie sieht die Küche Ihrer Kindheit aus? Und wo sind die Gewürze wie aufgehoben? Was haben Sie als Kind häufig in der Küche gemacht?

Wenn Sie Ihre Küche und Kochgewohnheiten heute mit dem Erzählten von damals vergleichen, was fällt Ihnen auf? Was haben Sie übernommen, was ist anders?

Und was ist Ihnen heute «Salz im Leben» – ohne das Ihr Leben fade wäre?

 

 

 

 


Erzählcafé von Dominique Schwank: «Dumm gelaufen!»

Wer kann es abstreiten: Es kommt doch immer mal wieder vor, dass etwas nicht so ganz gelingt wie eigentlich geplant. Eine einmalige Gelegenheit wird knapp verpasst oder eine Panne ereignet sich im dümmsten Moment. Darum – und um persönliche Geschichten zu «Schiefgelaufenem» generell – ging es an diesem Erzählcafé.

Wir haben darüber gesprochen, in welchen Situationen etwas «Dumm gelaufen» ist, ob wir heute darüber lachen können, etwas daraus gelernt haben und es vielleicht sogar eine neue Begegnung ermöglicht hat.

Dabei sind Erinnerungen an Unangenehmes, Lustiges und Abenteuerliches entstanden. Eine Geschichte regte die nächste an – und es wurde viel gelacht!

 

 


Erzählcafé von Susi Sennhauser: «Meine Uhr»

Wie fühlte es sich an, als ich meine erste Uhr am Handgelenk trug? Wann trage ich heute meine Uhr? Wie habe ich es mit Zeit und Pünktlichkeit – und welche Geschichten kommen mir dazu in den Sinn?

Die Stimmung in der altersdurchmischten Gruppe war wohlwollend und neugierig, es wurde auch viel gelacht. Es gab einen Moment, als das Erzählte eher Ausdruck einer Werthaltung war und es nicht mehr so sehr um Erlebtes ging. Das war eine Herausforderung für die Moderation, denn wir mussten entscheiden, wie wir damit umgehen möchten.

 

 

 

 


Erzählcafé von Claudia Sollberger: «Genussvolle Momente»

Wir haben über das genussvolle Entdecken sinniert. Wie kommen wir dabei persönlichen Erinnerungen auf die Spur? Ist es der Ort, die Begegnung, die Musik, das Buch, das Bild, die Kunst, die Reise, die Schokoladentorte, der Wein, welche in mir dieses Gefühl des Genusses auslösen?

Denkanstösse waren, welche Dinge und Situationen ich als Kind genossen habe, ob es Momente in meinem Leben gab, in denen der Genuss zum Verdruss wurde, was ich heute geniesse und was ich in Zukunft gerne noch einmal geniessen möchte.

Mir fiel eine Geschichte aus der Kindheit ein: Genüsslich war für mich als Kind immer, wenn der Sommer kam. Ich konnte meine leichten Kleider anziehen und barfuss gehen. Diese wunderbare Geschichte inspirierte eine weitere Person, die auch von ihren Sommerkleidern erzählte. Das war für mich ein Moment der Resonanz.

 


Erzählcafé von Mechthild Wand: «Die letzten Dinge»

Wir haben uns von den letzten und ersten Dingen erzählt und kamen dadurch dem

vollen Leben auf die Spur. Was sind für mich «die letzten Dinge»? Mache ich mir dazu Gedanken oder sind sie ein Tabu? Wo begegneten sie mir bei anderen Menschen, zum Beispiel durch einen Besuch, eine unerwartete Nachricht, ein Testament oder einen Gegenstand?

Am Montag, 27.08.2018, haben sich rund 15 erfahrene Moderatorinnen und Moderatoren im Soup & Chill ausgetauscht. Sie haben den eigenen Moderationsstil reflektiert und von Kollegen und Kolleginnen eine Aussenansicht erfahren.

Wir haben folgende Fragen diskutiert:

  • Was sind Standard-Elemente meines Erzählcafés?
  • Wer sind typische TeilnehmerInnen?
  • Was sind meine Stärken?
  • Welchen Raum schaffe ich als ModeratorIn?
  • Welche Situationen erlebe ich als gelungen und welche weniger?

In Fallbesprechungen behandelten wir folgende Situationen:

  • Wenn schwere Themen dominant werden.
  • Wenn nicht über sich selbst erzählt wird.
  • Wenn niemand etwas sagt.

Im Austausch mit anderen Moderatoren und Moderatorinnen konnten wir die Vielfalt der Erzählcafés erkennen, in unseren Praktiken bestätigt werden, und neue Ideen für unsere eigenen Erzählcafés mitnehmen. Auf den Flipcharts sind die Ergebnisse festgehalten.

Zitate:

«Mein Ziel ist, dass ich einen Raum eröffnen will, wo etwas passieren kann.» Kerstin Roediger, Moderatorin

«Eigentlich sind wir alle Bücher, und die einen Bücher machen sich dann auf.»  Silvan Tarnutzer, Moderator